Montag, 20 Oktober 2003 |

G E S C H I C H T E

      

Einöller Geschichte

Geschichte des Dorfes Einöllen
von Dr. Hermann GAUCH, Kaiserslautern

Wie jetzt wieder in der Verbandsgemeinde Wolfstein gehörte Einöllen schon früher zum Amte Wolfstein, bis es 1900 selbständige Bürgermeisterei wurde. Auch zur Zeit der französischen Besetzung um 1800 war es vorübergehend Bürgermeisterei, wie die Bezeichnung des Johann Jakob Gauch (geboren 1734) als Gemeindevorsteher, Sibter (Feldgeschworener), einstweiliger Bürgermeister bezeugt. Durch den Selz- Hagenbacher Austausch 1768 kam es vom Oberamt Meisenheim und vom Herzogtum Zweibrücken (an das die Grafschaft Veldenz 1444 gefallen war) weg an das Amt Wolfstein und das Oberamt Kaiserslautern.

Das Ampt Honhelden
Ursprünglich war es veldenzisch, gehörte den Grafen von Veldenz zu Meisenheim, die sich zu Anfang des 12.Jahrhunderts von den Nahegaugrafen abzweigten. Nach den Veldenzer Urkunden (1268 und 1387) war das "Ampt Honhelden" (mit dem Kapellenhofgut Einöllen als Adnex) eins der beiden Allode (Sippenbesitz) der Veldenzer, neben Waldgrehweiler; letzteres heißt damals Grebwilre, d.i. Grafenweiler, und war wohl ihr Jagdgut. 

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Das Dorf Eynet
Einöllen hieß früher (1432 - 1438) Eynet, Einheit, also Einod d.h. Eigengut, Allod der Veldenzer, wie gesagt. Durch Bedeutungswandel wurde aus den Einoden wegen ihrer Einzellage der Begriff Einöde. In Angleichung an den Namen Hohenöllen (Hoenhelden d.h. hohe Halde) wurde aus Einod sein jetziger Name Einöllen, so 1438 schon Eynhelden. 1599 (Beschreibung des Ingweiler- und Ausbacherhofes, Staatsarchiv Speyer) werden Einod und Einölln und 1612 (Disibodenberger Schaffneirechnung) Ainodt und Einellen noch nebeneinander gebraucht.

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Ein Wäldchen mit Vogelhorsten von Tauben
Die Allode der Dynasten dienten vielfach als Land- oder Sommersitze, gleichsam Wochenendhäuser. Diese Bedeutung hatte Einöllen für die Grafen v. Veldenz offenbar durch seinen "herrschaftlichen Weiher" (nebst dem Weinbau des Wingerts- oder Herrenberges zu Hohenöllen). So diente der noch als Gewannenname vorhandene vordere und hintere Weiher mit dem angrenzenden Wäldchen Harstholz den Grafen offenbar zu Fischfang und Vogeljagd. Der "herrschaftliche Weiher" heißt auch Rockertswoog, d.h. wohl Taubenwoog (nach Kluges Etymol. Wörterbuch Ruckert = Taube). So war das angrenzende Harstholz ein Wäldchen mit Vogelhorsten von Tauben (wie jetzt noch) und sicherlich Reihern, wo schon auf dem Wege von Meisenheim nach Einöllen die Kraniche durch den Ortsnamen Kronenberg bezeugt werden. 1615 wird der "Weiher bey der Eich zu Ainot" genannt.

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Das Capellenhofguth Aynot
Beim hinteren Weiher legte sich später der erste in Einöllen amtierende Pfarrer Johann Kuch oder Kuchius (dessen Grab und Grabmal sich in der Kirche befindet) das noch als Gewannenname erhaltene Kuchiuswögelchen an, wie er sich auch einer Wingert auf "Kuchiuskopf" anbaute, wo noch Weinstöcke stehen. Nachdem 1670 das Tiefenbacher Pfarrhaus durch die Franzosen verwüstet war, wurde der Pfarrsitz nach Einöllen verlegt. 1402 war die Parochialkirche Tiefenbach von den Grafen dem Johanniterorden übertragen worden. Da der Hohenöller Weinberg noch Herrenberg heißt und 1387 schon als Wingert erscheint, dürfte er von dem 1321 von Herren-Sulzbach nach Meisenheim übergesiedelten Johanniterorden angelegt worden sein. Wie auch auf dem Ingweilerhof, der früher den Herren von Reipoltskirchen gehörte, in dem Hofgeviert noch die Eigenkirche eingebaut ist, so hatte auch das Allod Einöllen eine Eigenkirche, nach der es in einem Verzeichnis von 1566 (Staatsarchiv Speyer, Kopie auf dem Pfarramt Einöllen) "Capellenhofguth Aynot" heißt. Die Einöller Kirche stammt gemäß dem noch im Glockenturm erhaltenen frühgotischen Fenster (und den Reparaturrechnungen auf dem Pfarramt) wohl schon aus dem 12. Jahrhundert, dürfte so als Eigenkirche schon bald mit der Meisenheimer Dynastiegründung Graf Gerlachs I. (+1163) errichtet worden sein.

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Das Einöller Amts- oder Kellereihaus
Das Einöller Amts- oder Kellereihaus war ein großes, auffallend schönes Fachwerkgebäude, das nach der Erzählung des aus Einöllen stammenden Münchener. Oberingenieurs Heinrich Leppla noch um 1250 stand, wo jetzt das Maus Gauer steht. Die Wirtschafts- und Wohngebäude waren der noch vorhandene Gebäudekomplex Hofmann-Gauch (Wilhelm)-Mohr, in dem die Wände teilweise noch aus Fachflechtwerk bestehen. Zwischen ihm und dem früher dem (1798 geborenen) Johann Peter Gauch (Peters) gehörigen Pferdestall (jetzt Stall und Scheune Otto Mohr) läuft die Kellergasse (gesprochen Käller), die bisher Privatbesitz war und nach dem früheren Inhaber des genannten Gebäudekomplexes, der Familie Keller, heißt, die schon 1566 erscheint und wohl das Amt des Kellers (Verwalters) stellte. Sie hat anscheinend nachmals das Gut erworben. Die Veldenzer scheinen ihren "herrschaftlichen Allodsitz schon bald wieder verliehen zu hauen. 1432 war Einöllen Widdumsgut der Sofie v. Eich, Gier Gattin des Wilhelm Wolf v. Sponheim, der Gemeiner (Mitbesitzer) an der Burg Alt-Wolfstein war. Nach ihm ist offenbar die Gewanne Wolfsroth benannt, weil sie die Rodung eines Wolf besagt. 1595 gehörte laut Kirchenschaffnei Disibodenberg der Einöller Zehnte dem Johanniterorden. Die Einöller Gauch'sche Kirchenstiftung ist mit der Inflation 1923 verfallen.

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Die Römer- oder Hoheitsstraße
Das beschriebene Weihergebiet liegt an der Römerstraße, die von Lauterecken über die Höhe zwischen Heinzenhausen und Sulzhof kommend (Albert Zink: Chronik der Stadt Lauterecken, 1968), von Hohenöllen ab die jetzige Landstraße bildet, bis diese sich an vorderen Weiher abspaltet und mit der "Hohen Dohl" über den Deich führt, um dann unterhalb des hinteren Weihers in die Landstraße Wolfstein-Hefersweiler einzumünden. Die Römerstraße selbst zieht oberhalb des Weihergebietes zwischen diesem und dem Wäldchen Harstholz weiter und bildet dann zunächst die Relsberger Landstraße zwischen den Gemarkungen Relsberg und Roßbach (Wald Grauloch), um dann am Sterzelberg wiederum einzumünden in die Römer- oder Hoheitsstraße, die in Meisenheim-Odenbach herkommt um dann nach Kaiserslautern weiterzuführen.

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Harstholz 
Harstholz liegt also zwischen diesen beiden Römerstraßen und ist, da diese allgemein schon vorrömisch-keltische Straßen waren, uralt besiedeltes Land. Das besagen die darin befindlichen drei Hügelgräber (auch Hünengräber genannt). Auch zur Römerzeit muss hier ein Hof bestanden haben, wie der "an Harstholz (Gewannenname) gefundene Steinsarg beweist, der lange Zeit in Hofe des Pauses Hofmann stand und dessen Urne auf der Gartenmauer des Lehrers Bühler lag (beide zusammengehörigen Funde sind inzwischen verschwunden). In diesem Garten steht aber noch ein großer Holzstein, ein versteinerter Baumstamm. Während 1337 Hohenöllen als Amtsbezeichnung erscheint, verlagerte sich diese später nach Einöllen. So haben wir das Amt oder Gericht Einöllen mit den weiteren Ortschaften Hohenöllen Sulzbach (Sulzhof), Oberweiler (im Kirchenbuch wird auch ein Unterweiler genannt), Tiefenbach -Roßbach, Stahlhausen, Immetshausen. Der Vorsitzende des Schöffenthings war der Schultheiß (Bürgermeister und Amtsrichter zugleich), der aber kein Einöller zu sein brauchte; so finden wir den Amtsschultheissen Johann Braun zu Oberwiler (+1743). Der Thingplatz war Diesenherg bei Roßbach, wo jetzt das Gefallenenehrenmal steht und früher innerhalb der Ringmauer auch eine Kirche, die Dionysiuskapelle stand, die zum Kirchspiel Einöllen gehörte, zu der heute noch Hohenöllen gehört, während dieses um 1800 politisch zum Bürgermeisteramt Lauterecken kam.

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Der Diesenberg
Der Diesenberg, wie er in den Urkunden zumeist genannt wird, heißt auch Dionysiusberg, da er bei der Christianisierung dem Hlg. Dionysius geweint und dessen Namenstag 9. Oktober zum Kirchweihtag erhoben wurde. So findet die Einöller Kirchweihe noch am 2. Sonntag im Oktober statt. Vom 09.10.1544 ist auch das auf der prot. Kirchenschaffneiarchiv Zweibrücken noch erhaltene Thing-Weistum des Diesenbergers datiert.

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Bis vor 50 Jahren gab es am Sulzbach noch Eisvögel
Diese Jahreszeit entsprach dem herbstlichen Michthing (michel d.h. groß), das den Hlg. Michael (Namenstag 29.09.) eingeweiht wurde. Dem Thingbesuch von Einöllen aus diente der "Roßbacher Pfad". Weitere Pfade, die zumeist nach Nachbarorten führten und in den Wiesen mit (Leien (Steinplatten) belegt sind, waren oder sind der "Haasepfad" vom "untersten Brunnen" her durch die Zintwiese (Zint, d.i. der Zehnte als Steuer) über die hohe Treppe des namengebenden felsenburgartigen Hauses Haas; am Bühl abzweigend der Pfad über den Höllenberg; zur Meisenheimer „Hochstraße; der schon längst zugewachsene über die Steißling (Steigung, stigal = steil) zum Ausbacherhof; vom "Graben" her durch die Kirchenwiese der Pfad zum Hefersweilerer Weg über die Allmei (Allmende); der Relsberger Pfad durch die Heinzwiller"; der Hohenöller unter dem "Gottesacker" vorbei, welcher vor etwa 150 Jahren angelegt wurde anstatt des vorherigen Kirchhofes um die Kirche herum und dessen Gräberbuch seither noch beim Totengräber erhalten ist. Bis vor 50 Jahren gab es am Sulzbach noch Eisvögel und auf der Ruine Neu-Wolfstein noch Kolkraben, wie mir die Jäger erzählten. Der Name des Sulzbaches bedeutet hier nicht die Sole, das Salz, sondern die Suhle des Wildes, besonders der Wildschweine.

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Kultstätten der Hexen
Die Diesenberge waren die Kultstätten der Diesen, der weisen Frauen (auch Hagdisen oder Hexen genannt), von denen auch der eine Mersehurger Zauberspruch noch handelt. Die germanischen Weihestätten und Bräuche (die nach der Anweisung Papst Gregors des Großen um 600 nicht zerstört, sondern christianisiert werden sollten) wurden vielfach zu ähnlich klingenden Bezeichnungen umgeformt; so wurde der Odernheimer Diesenherg dem Hlg. Disilbodius geweilt und Diesibodenberg benannt. Die heutiges Volkskunde zeigt, das der carrus navalis (Schiffskarren oder Narrenschiff des Sebastian Brandt) als Karneval mit lateinisch carne vale (entsage den Fleische) und die Fasel- oder Fasenacht zur Fastnacht umgedeutet wurden.) Der Brauch des Gabenheischens der Kinder hat sich, wie beim Neujahr-Anschießen, auch zur Fasenacht noch erhalten: "Die Pfann kracht, die Tann kracht, die Küchelcher sein gebackt..." Die Sitte des mit der Fasersacht zusammenhängenden Vorfrühlingsfeuers (wie noch zu Kreimbach-Kaulbach) war zuletzt als Freudenfeuer zum Geburtstag des Prinzregenten Luitpold am 12.03. üblich und ist mit dessen Tod 1912 erloschen. Das Wallburgenbrauchtum der noch üblichen "Hexennacht" des 1. Mai wurde der Hlg. Walpurgis geweiht (Gauch: Kalender- und Brauchtum, 1938), und ein solcher scheint es zu sein, das in den Meisenheimer ref. Kirchenvisitationsprotokollen (Geh. Staatsarchiv München) wiederholt vom Roßhacher Diesenherg gerügt wird. Noch immer wird auf der Einöller Kreuzstraße der Maibaum gesetzt (er brauchte 1933 wie meist anderwärts nicht erst wieder eingeführt zu werden), verbunden mit dem heidnischen Hexenspuk. In Einöllen hat sich noch die alte Gerichtsformel erhalten: Hör Ruh! (d.h. höre auf die Rüge!) für "höre auf!"

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Die Gewannennamen
Eine Aufstellung, über die Bedeutung der Einöller Flur- oder Gewannennamen besitze ich noch in einem Brief, den mir der Gründer und Konservator des nach ihm benannten Kaiserslauterer Volkskunde - Museums Theodor Zink am 13.10.1921 schickte. In einen Schreiben, das er kurz vor seinem (am 30.10.1934 erfolgten)Tode noch aus dem Sanatorium am 10.06.1934 an mich sandte, stellte er die Geschichte und Bedeutung des Donnersberges dar, auf Grund dessen ich dann den pfälzischen Landesbauerntag am 30.06.1934 auf den Königsstuhl des Donnersberges verlegen ließ. Seitdem wird alljährlich auf dem Donnersberg um diese Zeit der Kreisbauerntag gehalten. Der Bauernführer Fritz ließ von Dannenfels bot mir das Klostergut auf dem Donnersberg zum Erwerb an; ich konnte mich aber zur rein landwirtschaftlichen Umstellung, nicht entschließen, da ich als volkskundlicher Reichsreferent und Dozent zu sehr beschäftigt war. Damals errichtete ich zu Verden an der Aller ein Großsteindenkmal zum Gedenken an die Enthauptung von 4500 Sachsen durch den Frankenkönig Karl im Jahre 782, das auf den Niedersachentag 24.06.1934 eingeweiht wurde (und dann mit 4500 Großsteinen aus allen germanischen Gauen zum noch bestehenden Sachsenhain erweitert ward), derweil ich schon wieder in Island war, wo ich vor der Regierung und dem Lehrkörper an der Universität Reykjavik sprach und zugleich 500 Ponys für die deutsche Landwirtschaft kaufte. Dis Thema hieß "Die germanische Odal- oder Allodverfassung" und diese Vorlesung wurde als Schulungsbuch gedruckt und von der Reichsschrifttumskammer im August 1934 ausgezeichnet. Sie enthält den Umbruch der germanischen Allodverfassung zur römisch-rechtlichen Feudalverfassung, worin ich auch Einöllen erwähne, dessen Kultur- und Wirtschaftsgeschichte ein Schulbeispiel dafür ist, ebenso wie ich das auch in meinem letzten Buch "Die Gestalten der Heldensage als geschichtliche Persönlichkeiten" (1971) tue. Viele Einöller haben Ahnen unter den Opfern Karls, wie ich diese in diesem Buch aufzeige und wohin die Ahnentafel fahrt, die mein Sohn Sigfrid im nächsten "Kurpfälzischen Geschlechterbuches" in der Reihe des "Deutschen Geschlechterbuchs" (DGB) veröffentlichen wird. Auch besitze ich noch Knochenreste aus der Verdener Hinrichtungsstätte von den Ausgrabungen, die ich damals dort machen ließ. In dem vorstehend genannten DGB Band 45 (1924) und Band 58 = 1. Kurpfälz. Geschlechterhuch (1928) sind schon eine ganze Anzahl Einöller Familien mit ihrer Herkunft aufgeführt.

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Von Römern und Germanen
Auf die germanische Landnahmezeit in Rheinhessen-Pfalz, die 406/7 mit dem Rheinübergang der (nach Spanien und Portugal weiterziehenden) Vandalen und Sweben sowie der verbleibenden Burgunden und Sachsobarden einsetzte und besonders durch die Franken ausgefüllt wurde (nachdem die Burgunden um 443 zum größten Teil an die Rhone abgezogen waren), folgte die Kolonisationszeit in den Wäldern, in dem grollen Wasgau. Hier hatten ganz offensichtlich, auch den Ausgrabungen zufolge, die Römer ihre steinernen Landhäuser, Villa oder Villare genannt, zurückgelassen, worauf die Germanen nun ihre Weiler gründeten, die auffallenderweise aus Steinhäusern bestanden trotz der sonst germanischen Holzbauweise und des Holzreichtums. Zweifellos war auch die einheimische keltische Bevölkerung nicht weggezogen oder ausgestorben, was sich auch aus anthropologischen Gründen ergibt (Karl Roth-Lutra im Pfälzischen Geschichtsatlas). Wie zuvor den Römern, so diente sie nun wohl den Germanen weiter.

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Hobsteller Wäldchen
So finden wir auch zwischen der Meisenheimer Römerstraße und Harstholz als Wüstung noch die "Heinzwiller" (jetzt. Gewannenname), wo auch noch Gebäudereste gefunden wurden. Auch in der Gewanne Hobstelle d.h. Hofstätte hat sich einmal ein Hof befunden; so wie jetzt wieder die drei Einöller Aussiedlerhöfe jenseits des Sulzbaches gegründet wurden. Dort im "Hobsteller Wäldchen" wurde bald nach dem am 19. März 1945 erfolgten Einrücken der Amerikaner eine Wagenladung Artilleriemunition vergraben, was der Nachwelt zur Vorsicht eigens überliefert sei.

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Die Ewigen Quelle
Älter als die eisenzeitlichen, vorrömischen Hügelgräber in Harstholz sind die jungsteinzeitlichen geschliffenen Steinkeile von' der "Ewigen Quelle" arg Ohligrech auf Einöller Gemarkung; es war ein Sammelfund (Depotfund); der größte Teil wurde im Schulschrank der alten Schule verwahrt, ist aber durch die feindliche Besatzung nach den ersten Weltkrieg abhanden gekommen, wie denn die nach dem zweiten das Einöller Schöffenbuch verfeuerte. Ich besitze noch zwei Stück des Fundes, die von der Archäologischen Landesaufnahme 1369 verkartet wurden.

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Die Kalk und Kohlengruben des Amtes Einöllen
In 18. und 19. Jahrhundert wurde auch in Einöllen, wie in den Nachbarorten, nach Kohlen gegraben. In den Meisenheiner Bergwerksakten (Staatsarchiv Speyer) erscheint Aartin Wernher (1720-1797) als Bergwerksbeständer der Kalk und Kohlengruben des Amtes Einöllen (das handschriftliche Stammbuch seiner Familie ist noch in Kaiserslautern erhalten). Nach Goswin Widder "Kurpfalz" lieferte die Drostengrube 1781 über 500 Tonnen Kohlen. Bei Erdarbeiten am Hause Heß-Maurer stieß man auf Stollen und Schächte. Sie ziehen sich über den Höllenberg d.h. Haldenberg hin his zur "Halde" an der Meisenheimer Römerstraße hinter der Striet. Ich besitze noch ein Grubenlicht von jener Zeit und Tätigkeit.

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Die Betzenkammer 
In der Kohlkaut, einer Waldwiese, befand sich wohl ein Meiler zur Holzkohlen- Steinkaut und Lehmkaut sind noch Allmende d.h. Allgemeingut; in ersterer befindet sich jetzt der Fußballplatz. Auf der Brechkraut an Bühl hat- früher jede Familie ihre Grube zum brechen des Flachses und Hanfes. Die Schindkaut in der Bachwiese diente zum Vergraben des verendeten Viehes, so weit es nicht der Schinder (Abdecker) vorn Medard abholte. Das Gericht Einöllen besaß keinen Galgen, es kamen also galgenwürdige Straftaten wie Diebstahl nicht vor. Eine Betzenkammer (Gefängnisraum) war vorhanden, am Graben, wo jetzt das Haus Kurt Haas steht, diente aber als Schmiede (Ruppe-Schmiede).

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Von Gemeindebrunnen und Wasserleitungen
Es gab mehrere Gemeindebrunnen, meist mit hohen eisernen Pumpengestellen, bis sie jetzt durch die Wasserleitung ersetzt wurden. Bei der Anlage der Kanalisation stieß man 1967 auf die alte hölzere Wasserleitung, die vom immerfließenden Brunnen "am Zollstock" durch das Dorf hindurch führte nach jenseits des Sulzbaches zum "Tröger Wäldchen" als (Schweine-) Tränke (Lagerbuch von 1750 auf dem Staatsarchiv Speyer "An den Trögen"). Die "Unterstatt" am vorderen Weiher diente dem Weidevieh zur Unterkunft wahrend des Unters d.i. die Zeit gleich nach Mittag. Der Brandweiher, das "Wögelchen" wurde infolge des Baues der Wasserleitung überflüssig und dann 1963 zugeschüttet mit den Mauern meines Elternhauses, dessen Hofgering zum nunmehrigen Kerweplatz wurde. Den Abfluß des Wögelchens bildete "der Graben". der bis zum Klopper Weg an der Betzenkammer überdeckt war; 1566 heißt es: "An den Aychen uff beide Seithen des Grabens".

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Der Sulzbach
Der Sulzbach entspringt in mehreren Quellen oberhalb der Heinzweiler bei der Hefersweilerer Landstraße an der Grenze der Relsberger Gemarkung, welche sich rechts des Baches bis in die Nähe des Dorfes Einöllen am Rötelberg hinzieht. Der große stuhlförmige dreieckige Grenzstein von 1463 mit dem Partenheim- Rosenwappen an der Dreigemarkungsgrenze musste beim Bau der Landstraße Einöllen-Ausbacherhof weichen und befindet sich nun im Hofe Karl Pfleger auf dem Ausbacherhof.

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Das Wappen
"Das beste Wappen in der Welt, das ist der Pflug im Ackerfeld", sagt ein Spruch. In der Tat zeigt das Wappensiegel des Amtes oder Gerichtes Einöllen, das ich auf dem Staatsarchiv Speyer wiederentdeckte, dieses Wappen. Der Bürgermeister Lehrer Wilhelm Welker, der jetzt in Lambrecht wohnende Vater des gleichnamigen Lauterecker Dekans aus Einöllen, führte es 1925 als Gemeindewappen wieder ein. Seine (zur Elektrifizierung des Dorfes dienenden) Notgeldscheine vom August 1923 sind ein beliebtes Sammlerobjekt geworden, weil sie alle eigenhändig von ihm und dem 2. Bürgermeister Philipp Wannenmacher unterschrieben sind; ich besitze noch welche sowie solche von Hohenöllen, Roßbach und Rutsweiler; sie sind alle in der Buchdruckerei Karl Kurz in Wolfstein gedruckt.

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Das Bauerntum
Wie allerwärts im Zuge der Auflösung des deutschen Bauerntums sind auch in Einöllen nur noch wenig Bauern vorhanden. Die weibliche Bevölkerung arbeitet großenteils in der Textilfabrik Hans Braun in Wolfstein. Der Musikerberuf ist seit dem ersten Weltkrieg erloschen; die vor diesem ins Ausland gefahrenen Musiker sind großenteils für immer dort geblieben. Wie ich solche früher auf meinen Seereisen traf, werde ich in einem Artikel "Einöller in aller Welt" im Kuseler "Westrichkalender 1973" berichten.

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Die Einöller Kirchenbücher
Die Einöller (reform.) Kirchenbücher von 1700 - 1798 mit den Geburts-, Heirats- Sterbeeinträgen, die ich 1920 auf dem Speicher des Wolfsteiner Bürgermeisteramtes auffand, befinden sich jetzt auf dem prot. Kirchenbucharchiv Speyer (unter "Wolfstein") und enthalten auch die anderen Orte des Amtes Einöllen. Die Pfarrer des Kirchspiels sind in dem Pfarrerbuch von Biundo "Palatina sacra" aufgeführt; von den Pfarrern Hass und Engel stammen die gleichnamigen Einöller Familien. Laut Anzeige der Civilbeamten im Rheinkreis Bayern zählte Einöllen 1325 : 372 Einwohner (361 Protestanten und 11 Katholiken); später gab es fast keine Katholiken mehr.

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